Des Dichters Lohn

Was, frag ich, muss ein Dichter  haben,
was muss er wissen, wie denn sein,
will andern Menschen Geist er laben
mit Versen, Reimen, Dichterein
von Sonnentagen, heißer Liebe,
Frühlingserblühn und Wintergrau,
vom Glück und Pech, dem Weltgetriebe,
von Blumen, Leben, Mann und Frau.

Wenn nach der Müh am End der Tage
er Verse sucht und überdies
lyrisch ergründet auch die Frage
nach dem verlornen Paradies,
dann wächst in ihm ein stetes Sehnen,
nach Ruh und Frieden, ohne Rast.
Oft kommen selbst ihm dabei Tränen,
wenn er bedichtet, Lieb und Last.

Hier schreibt er Zeilen nur vom Schönen,
stellt edles Menschsein grad heraus,
um dort schweren Gemüts zu stönen,
beim Untergang mit Mann und Maus.
Nie wird ein Vers ihn selbst beglücken,
sein Lohn ist's, wenn es ihm gelang,
mit seiner Dichtkunst zu erquicken.
Dein Lächeln, Leser, ist ihm Dank.

©  Horst Fleitmann 07/2017