Die wirkliche Frau

Ein Mann, sehr ehrlich und urteilsgenau, 
ein wahrlich gebildeter Mann,
beschloss  seine mit ihm lebende Frau
zu beschreiben, so wie er´s  kann: 
 
Sein Schatz, so nennt er sie, war es wohl wert.
Er beschrieb sie mit allem, was zu ihr gehört.
Die Figur, ihre Haut, ihr Haar, der Geruch,
die Augen, die Hände, die Beine,  
den Po, den Busen, den Mund und die Lust, 
echte Fehler hatte sie keine.
 
Ganz wichtig erschien ihm nicht minder:
ihr Lachen, ihr Weinen, ihr Sinn für Humor
ihre Liebe, die Arbeit, die Kinder. 
 
Unzählige Seiten verfasst'  er im Nu,
doch das Ende lag weit in der Ferne;
denn schließlich gehörte auch er noch dazu,
der all dies beschrieb, ihr Elternhaus, und das seine.
Das Land, die Welt, Du und ich, ihr  Beruf
und Gott der dies alles erschuf ... 
 
Am Schluß erkannte der schlaue Mann,,
dass niemals die Frau er ergründen kann.
Von da an ließ er es bleiben,
den Versuch seine Frau zu beschreiben.
 
Er bezeugt seinen Freunden hingegen 
ohne Frau wär´ das Leben kein Leben.

  

©  Horst Fleitmann 1/2015