Der Mensch ist eitel

Ein Mensch mit großem Taktgefühl,

sieht seine Frau, die nackt und kühl

vorm Spiegel sitzt im Badezimmer,

sich aufzubrezeln, so wie immer.

 

Sie puscht, lackiert, bemalt sich reichlich

der Mensch, er registriert es heitrich,

bemerkt er doch seit vielen Jahren,

wie nutz- und zwecklos ihr Bemalen.

 

Bestätigt wird's durch ihre Klage

das schon der Zeit-Zahn an ihr nage.

Dem Menschen selbst gehts auch nicht besser,

er lag schon fünf Mal unterm Messer.

 

Schlupflid, Mundwinkel, Doppelkinn

das Bauchfett und die Denkerstirn,

an allem wurde schon geschnitten,

kein Arzt ließ sich da lange bitten.

 

Denn, Mann wie Frau nebst Eitelkeiten,

gehör'n zusamm'  seit Ewigkeiten.

Seit je her gilt, was nicht sehr wundert,

Verfall beginnt nicht erst mit hundert.

 

©  Horst Fleitmann 01/2016