Sitzenbleiber...

 

Am Morgen in der Straßenbahn
raunt mich ein ält´rer Herr schroff an.


Er meint, (ganz ehrlich, ist kein Witz)
der Platz,  wo ich säß, wär sein Sitz.


Ich möge bitt´ schön mich erheben
um ihm Gelegenheit zu geben


sich auszuruh'n während der Fahrt
zudem führ er mit Monats-Card.


Die Bahn würd' zu den Tagesspitzen
von ihm genutzt... doch nur im Sitzen.


Ich schau ihn nur verwundert an,
sag,  dass da jeder kommen kann.


Ich sitz'  hier bis zum Königstor.
Passt gut, sagt er und stellt sich vor


als  Graf von Groddeck, adelig.
Angenehm,  sag ich, Koßliczyk.


Sie, hörn Sie mal,  sagt der Graf "von"
Mit mir bitte in and´rem Ton.


Ich bin von Adel und erwarte,
daß Sie, mit ihrer Tageskarte


den Platz auf dem ich sitzen will
bereitstell'n mir,  recht schnell und still.


Und ich erklärte ihm dann leise
in absolut höflicher Weise:


selbst wenn er Kaiser Wilhelm wär,

ích gäb` den Platz jetzt nicht mehr her.


Auch könnt ich meinen Stammbaum bringen

drin stünd´ mein Urahn Berlichingen


Und uns'ren Wahlspruch seit der Zeit

hielt gern ich auch für ihn bereit.


Das blaue Blut kochte im Grafen,
dann stieg er aus der Bahn, am Hafen.


Als Fahrgast mit normalem Blut,
saß bis zum Königstor ich gut.

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