Das Schrankerlebnis

 

Herr Müller, er ist sehr geplagt.

Hat Platzangst seit geraumer Zeit.

Wieso ihm Enge nicht behagt,

ergab wohl die Vergangenheit.

 

Es trug sich zu, dass Müller mal

ein Mädel kannte, lieb und fein.

So kam es, das ist ganz normal,

das Mädel lud ihn zu sich ein.

 

Sie trieben wirklich nette Sachen,

der Trieb, er trieb sie zur Ekstase.

Man hörte Stöhnen und auch Lachen,

zu Bruch ging manche schöne Vase.

 

Doch plötzlich hörten sie ein Klacken.

Es war die Türe in Parterre...

Das Mädel sprang vom weißen Laken

als wär der Teufel hinterher.

 

Herr Müller, (blau wie eine Tanne),

auch er ergriff sein blaues Hemd...

Die Maid, sie sprach vom Ehemanne

das Wort war Müller bislang fremd.

 

Nun sah er ein, es galt zu flüchten,

er wusst´ vom Nebenbuhler nicht.

Doch kannte es wohl von Gerüchten

des Nebenbuhlers böse Pflicht.

 

Nun leider lebte jene Maid,

im 5. Stock in diesem Haus.

So sprach sie: „Tut mir wirklich leid,

du kannst hier nicht, zum Fenster raus.

 

Das Treppenhaus ist auch besetzt,

da schreitet grad mein guter Mann,

die Treppe hoch und wär entsetzt,

wenn er dich bei mir sehen kann.“

 

Der Schrank, er war von Kleidung voll

doch sollte er noch voller werden...

Herr Müller fand das zwar nicht toll,

verkniff sich dennoch die Beschwerden.

 

Zu knapp war auch die Zeit die bliebe,

und so verschwand er halb entblößt,

hoffte, dass nach der traumhaft Liebe

man ihn von jenem Traum erlöst.

 

So saß er nun zwischen Klamotten,

und hört des Mädels Dialog.

Verärgert von den blöden Motten,

verärgert, weil sie ihn betrog.

 

Er saß noch viele, lange Stunden,

sein Körper musste sich verrenken.

und hat es schrecklich doof gefunden,

doch gab ´s auch Zeit um Nachzudenken.

 

Für sie galt ´s ihren Mann zu pflegen,

der war erstaunt um soviel Liebe.

Kaum war er da, durft´ er sich legen

(so sparte er sich Kraft und Hiebe).

 

Erst nach 8 Stunden, wurd es stille,

ein Schnarchen tönte durch das Zimmer.

Sie schluckte nur noch schnell die Pille,

da hörte sie im Schrank Gewimmer.

 

Erkannte, dass sie „ihn“ vergessen,

den Mann, der so um sie bedacht.

Herr Müller war von Wut zerfressen

(und hat darum auch nicht gelacht).

 

Befreit aus diesem engen Kasten,

verließ er leise das Revier.

Gebückt (das kam vom langen Rasten)

in Sehnsucht auf ein kühles Bier.

 

Zuhause endlich angekommen,

hat er noch alles überdacht,

und war zu dem Entschluss gekommen:

„Nie wieder eine solche Nacht!“

 

 

Fazit:

Läd dich ein Frauenzimmer ein,

erforsche vorher ihren Stand,

sonst könnt es durchaus möglich sein,

man treibt dich zu des Wahnsinns Rand.

 

                                                 Copyright by Klaus Heinzl  11.09.2009