Die Hiobsbotschaft

Er konnte nicht anders. Heute musste er es ihr sagen. Verlegen und blass stand er vor Ihrer Tür. Was hatte er nicht alles versucht, ihr dies zu ersparen. Seine Hände zitterten. Er griff in seine linke Hosentasche. Ein Päckchen Hammel Filter kam zum Vorschein. Nervös fingerte er einen Sargnagel aus der Schachtel. Das Feuerzeug schien defekt zu sein. Er schmiss es wütend in das Gebüsch, neben dem Haus und schob die Zigarette wieder in die Schachtelöffnung zurück. Warum hatte sie ihn soweit gebracht. Wieso begriff sie nicht, dass „er“ es nicht sein wollte. Nicht er – vor allem, nicht heute. Ein Geräusch nebenan ließ ihn schaudern. Was machte ihn nur so unsagbar nervös. Der Kater des Nachbarn tapste schnurrend um seine Beine. Er hob ihn hoch und streichelte sein weiches Fell. Das Schnurren wurde lauter. Es glich dem Surren seines Computers im Büro, was ihn zum Grinsen brachte. Ein weiteres, weitaus lauteres Geräusch erschreckte nun auch die Katze und sie riss sich von ihm los und verschwand um die Ecke des Hauses. Er hüstelte. Der Hals war ihm wie zugeschnürt. Eine Schweißperle löste sich von der Stirn und rann an der Schläfe herab. Er wischte sich über das Gesicht. Dann nahm er sich ein Herz und presste den Finger auf den Haustürklingelknopf. Das Geräusch der Glocke schien sein Herz zum Stillstand zu bringen. Endlose Sekunden des Wartens ... dann vernahm er Schritte im Hausgang. Durch das kleine Sichtfenster in der Tür konnte er die Silhouette einer Person die sich näherte erkennen. Die Tür ging auf. Eine Frau, ca. 60 Jahre alt stand vor ihm. Es war die Mutter seiner Freundin. – „Ist Jacquelinezuhause, Frau Haderlutzner?“ hörte er sich sagen. Es klang als sei seine Gesprächspartnerin meilenweit entfernt und die Stimme käme durch ein entferntes Megaphon. Es löste sich eine weitere Schweißperle von seiner Stirn. Seine Stimme zitterte als er sich bei jener Frau Haderlutzner für die Störung entschuldigte. Haderlutzner... Jacqueline Haderlutzner ... wie konnte jemand, der Haderlutzner hieß, sein Kind Jacqueline nennen. Durch diese merkwürdigen Gedanken überhörte er die Antwort Frau Haderlutzners. Die Frau des Hauses verschwand und er hörte sie nach ihrer Tochter rufen.

 

- „Jacqueline .... dein merkwürdiger Freund steht vor der Tür“ – Er atmete tief durch. Sein Herz schlug, als würde es jeden Augenblick explodieren. Fast konnte er seinen Pulsschlag selbst hören. Dann Schritte...  Jacqueline! ... Wie würde sie es aufnehmen. Wie sollte er es ihr sagen. Sein Gesicht war nass vom Angstschweiß, der sich nun fast schon in kleinen Bächen über seinem kantigen Wangen ergoss. - „Hallo Liebste, ich ...“ er schluckte. „Bitte nimm es nicht persönlich. Ich wollte es Dir schon früher sagen. Bleib bitte ganz ruhig. Es fällt mir echt nicht leicht...“ – Sie stand mit offenem Mund vor ihm. Mit großen, blauen Augen sah sie ihn fragend an und konnte sich sein Verhalten und die Art wie er heute mit ihr sprach nicht erklären. So kannte sie ihn nicht. Er, der mit seiner sportlichen, durchtrainierten Figur einen stattlichen Mann darstellte und weswegen sie sich mitunter auch auf ihn eingelassen hatte... er wirkte nun total verunsichert. Ja, sogar ängstlich. – „Was ist los? Was hast du mir zu sagen....? Nun red schon!“

Den letzten Satz schrie sie förmlich. Er zuckte ein wenig zusammen. Zitterte, als habe er Schüttelfrost. Dann nahm er sich ein Herz und es sprudelte aus ihm heraus: Du, bist jahrlang belogen worden. Deine eigenen Eltern und auch meine Eltern haben dich und mich jahrelang zum Narren gehalten. Ich habe es gestern erfahren...“ – Nun war auch sie am Zittern. „Was redest Du da... was soll gelogen sein... zum Narren gehalten... meine Eltern... „ – Er wischte sich über die nasse Stirn. – „Ja... es ist wahr.     ... Den Weihnachtsmann gibt es nicht. Auch das mit dem Osterhasen war eine schreckliche Finte. Und nun bin ich am Zweifeln, ob der Postbote wirklich existiert !“ -  Schweigen – ...

 

Wollen auch Sie wissen, wie diese spannende Geschichte weitergeht? - Wie nahm es Jacqueline auf. Konnte sie mit dieser schrecklichen Tatsache leben und was steckte hinter der ominösen Figur die man Postman nennt. Fragen über Fragen. Lesen Sie weiter in der nächsten Folge, die da heißt: Das Geheimnis des Wirtschaftswunders 2009 – oder wie eine Kanzlerin Unglaubliches verspricht...

 

                                                  Copyright by Klaus Heinzl  25.04.2009