Wo steckt Gott?

Wo steckt Gott ...

 

Diese Frage würde sicher viele beschäftigen (wären sie nicht so enorm beschäftigt).

Aber befassen wir uns einfach mal mit dieser besonderen Frage. Schließlich könnte sie uns ja mal von einem unserer Kinder gestellt werden und schon deshalb sollten wir uns entsprechend vorbereiten.

Zugegeben... die Frage selbst klingt etwas respektlos. Vielleicht wählte ich aber diese Form der Sprache, um nicht überlesen zu werden oder sogar Interesse zu wecken.

Hab es ja irgendwie geschafft... schließlich lesen Sie ja noch an meinem Text (grins).

 

Also... wo steckt Gott. Menschen neigen grundsätzlich dazu, alles plastisch werden zu lassen. Selbst Glas wollen wir gut sehen können, obwohl wir ja eher durchsehen. Durchblick haben ist etwas, was wir auch immer gern von uns behaupten. Aber gerade was den Glauben angeht, gibt es hier keine klare und durchschaubare These, mit der wir wirklich was anfangen könnten. Ich kann mich erinnern, als ich etwa 16 Jahre jung war, und im Religionsunterricht der Theologe über den Glauben sprach... und dann ein Mitschüler blöd grinsend meinte: „Pah, ich glaube nur das was ich sehe“. – „Du redest vielleicht einen Stuss“... war mein Einwand... „was wäre das für ein blöder Text, wenn du nun sagen würdest... ich glaube, dass da ein Schrank steht...  richtig hieße es eigentlichIch sehe da einen Schrank stehen.

Aber was ich sehe brauche ich doch nicht zu glauben, du Hirni!“ Das hatte gesessen. Beifall durch ein paar andere Klassenkameraden und ein breites Grinsen des Lehrkörpers war der Lohn. Es stimmt. Liegt ein Beweis vor, dann braucht man nicht mehr zu glauben. Für die Jünger Jesu war es kein großes Kunststück, an ihren großen Meister zu glauben... sie wurden öfters Zeuge seiner sogenannten Wunder. (Obgleich, Jesus liebster Jünger Petrus am Ende gleich 3 mal gelogen hat, als es um seine Haut ging).

 

Wo steckt Gott. Die älteren Menschen unter uns, die deuten auf eine Kirche und erklären uns „Unwissenden“, dass dies das Haus Gottes sei und somit auch keine weitere Frage mehr offen sein sollte, wo er denn sein würde. Andere wiederum stecken ihren Zeigefinger in die Luft und meinen, er sei wohl im Himmel... Ich blicke nach oben, sehe einen Düsenjäger einen Kondensstreifen malen und denke bei mir... würde ich – an Stelle Gottes – da wohnen wollen? Der Himmel... auch so ein Bereich, Gebiet, Element... das – betrachtet man es im Sinne des Glaubens -  wohl positiv sein muss. Klar... alles Gute kommt von oben. Ein Leitspruch der stets Zustimmung findet, es sei denn, man wird durch ein Taube beglückt und hat nicht gerade seinen teueren Mantel von der Reinigung geholt oder steht vor der Haustür des Gebäudes, aus dem ein Klavier aus dem Fenster geflogen kommt. Die Hölle ist folglich unten... und somit sein Hausherr, der Teufel ebenso. Ist deshalb meine Toilette so oft verstopft? Da hat man gleich eine ganz andere Wahrnehmung, wenn man einen Kanaldeckel in einer kalten Nacht dampfen sieht...

Okay... für Inselbewohner, die sich in der Nähe eines Vulkans niedergelassen haben, ist diese These eine sicher sehr glaubwürdige. Aber ob alles Schlechte dann von unten kommt...???

Skeptisch betrachte ich grad eine Kartoffel und die gelbe Rübe daneben und muss gestehen, ich hab grad keinen großen Appetit auf die beiden. Ein Regenwurm nickt mir zustimmend zu.

Alles Schlechte kommt nicht immer von unten...

 

Aber wieder zum Thema:

Wo steckt also Gott? Jesus sagte mal, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen. Damals kam mir als kleiner Junge der Gedanke...“jetzt bin ich allein in meinem Bettchen... und bete... red ich nun mit der unteren Wand meines Bettchens... oder was?“ – Fragen über Fragen.

 

Wo steckt Gott? Wieso nennen wir ihn so. Die Indianer nannten ihn Manitu... die Türken Allah... andere nennen ihn Jehova... und dafür gibt es sogar Zeugen... Buddha ist auch als Gott bekannt...  und es wird wiederum im alten Testament gesagt, du (also ich) sollst keine anderen Götter neben mir haben. Im alten Rom hatte man ja gleich für jeden Anlass Götter.

 

War das vor oder nach Jesus...? Jedenfalls nach Adam und Eva...  denk ich aber hier wieder an den Apfel... der kam auch von oben... und so gut war das nun auch wieder nicht... oder doch? Wenn die beiden keinen Scheiß gebaut hätten und sich an die Regeln gehalten hätten,

dann gäb es uns alle vermutlich gar nicht... oder was... ?!??!!?

 

Jesus... der Sohn Gottes. Maria... die Mutter Gottes. Es wäre naheliegend, als Kind, wenn man, gleich nach der Aufklärung zu der logischen Schlussfolgerung käme, tja... wenn das so ist, dann hatte wohl Gott eine Frau... und von wegen unbefleckte Empfängnis... die beiden haben dann wohl Jesus gezeugt... (wofür es allerdings diesmal keine Zeugen gibt. Aber dafür hat man ja den Glauben... oder sollte man das nun nicht glauben... oder wie oder was...)

 

Wo steckt Gott? Eine Frage und tausend Antworten... weil es hier ja keine Fakten gibt... und wenn, dann käme der Glaube wieder ins Schleudern... ein Teufelskreis... aha... auch der kommt hier wieder ins Spiel. Vermutlich greift er gleich nach mir und zeigt mir seine Unterkunft... unten... wo sonst.

 

Was geht es uns eigentlich an, wo er steckt... der Himmelvater. Wie viele Kinder wissen bis heute nicht wo ihre Väter stecken... vor allem wenn sie jene mal brauchen. Und wenn sie es wissen würden, wäre dies wirklich gut für ihre Entwicklung? Er hat uns erschaffen... soviel ist klar und unumstritten. Er ist quasi der Produzent. Spätestens zur Premiere wird er schon auftauchen. Wichtig ist, dass wir bis dahin unsere Rolle hier auf der Bühne der Erde gut spielen... So seh ich das. Ich denke, er hat ein gutes Stück geschrieben. Als Produzent. In wie weit er auch noch Regie zu führen hat... liegt wohl an der Art wie wir mit ihm umgehen... bzw. wie wir zu ihm stehen.

 

Es interessiert mich eigentlich nicht wo er steckt. Wichtiger ist, er ist da. Beobachtet meine Aufführung und beurteilt mich anschließend. Ob er hier als Dreifaltigkeit (als eine Art Juror an einem Tisch sitzt und mich in den Recall schickt)... wer weiß. Oder zum Kerl mit den Hörnern ... oder für mich einen Parkplatz auf Wolke Sieben, neben dem Kondensstreifen reserviert... unabhängig davon, ob ich schwindelfrei bin oder nicht... wer weiß....

 

Egal, wo Du steckst und wie Du heißen magst... Gott. Ich denke, Du wirst dein Ding machen. Wirst, wenn Du ein netter empfindsamer Kerl bist, auf Dein Geschöpf herabblicken, erkennen, dass ich ebenfalls nicht so übel war... und Du - und das würd ich mir wirklich wünschen – würdest mich am Ende zu dir einladen... mir auf die Schulter klopfen und einen über den Durst trinken... es muss ja nicht gleich Manna sein.

 

Bleib wo du bist... und wenn du denkst, du wärst einsam und allein und bräuchtest auch mal jemanden zum reden... dann bin ICH für DICH da. Du hast sicher auch Deine Problemchen. Sei es mit Menschen, die Dir nicht so genial gelungen sind. Denke da an Menschen, die mit ausgestrecktem Arm wie Marionetten rumgelaufen sind und Dinge taten, die keinen Sinn ergaben. Oder ich denk an die Zeit, wo Dein Klempner keine Zeit hatte und vielen Deiner Schöpfungen das Wasser bis zum Hals stand. Oder zu Zeiten, wo andere Geschöpfe dafür sorgten, dass sehr vielen Menschen nun auch wiederdas Wasser bis zum Hals steht... die man Banker nennt, obwohl sie selten in ihrem Leben auf einer Bank saßen, geschweige denn auf ihr schlafen mussten. Jedenfalls dann wär ich für DICH da... versprochen. Und wenn du mal wieder den Gesprächen von zwei oder drei Typen beiwohnen willst... dann nimm nicht alles ernst, was sie da so reden... denn vermutlich  wissen sie nicht was sie tun. Ach noch was... solltest Du doch mal unerwartet auftauchen, dann mach Deinen Vertretern auf Erden vielleicht mal klar, was das Wort HEILIG bedeutet. Schließlich ist es ein wichtiger Bestandteil des Glaubensbekenntnisses der hl. katholischen Kirche... die sich - vor allem im Mittelalter - nicht wirklich an die Spielregeln (an Deine Spielregeln) gehalten hat. Du sollst nicht töten wurde gänzlich verdrängt und man nahm sich als Hl. Kath. Kirche schon mal das Recht heraus ein paar Scheiterhaufen anzuzünden ... oder fand es effezient den Armen ihr letztes Geld zu nehmen, da man auf diese Weise prima in Dein Reich kommen könne...  Kann vielleicht sein, dass Du ihnen gern mal zeigen willst, wie sehr sie aus Deinem Tempel eine Räuberhöhle gemacht haben ...   und wie schnell man Heiligkeit mit Scheinheiligkeit verwechseln kann...

 

Herzlichst grüßt Dich

eines Deiner Geschöpfe...

 

Klaus

 

PS: Der interessierte Leser (sofern er nicht vor Wut geplatzt oder eingeschlafen ist) wir gemerkt haben, wie sich aus einer einfachen Fragestellung, letztlich fast ein Brief ergeben hat... glaubich zumindest...

Anmerkungen von Klaus Heinzl zur Kurzgeschichte:

Vorsorglich möchte ich hier unbedingt klarmachen, dass ich mich hier keinesfalls über den Glauben lustig machen möchte oder keinen Respekt vor Andersgläubigen habe. Jeder sollte in seinem Glauben glücklich und selig werden.

Das merkwürdige Verhalten und der Widerspruch in sich, was Glaubensverhalten Andersgläubiger und auch die der Gesetztesvertreter angeht, ist mir immer noch ein Rätsel.

Einerseits sei die Glaubenfreiheit gewahrt, andererseits werden Rituale Andersgläubiger in Deutschland nicht gern gesehen, sogar boykottiert. Wenn sich ein Mensch ein Kopftuch umhängen will, weil er damit seinem Gott und dem Glauben daran genügen will, dann sei es ihm doch gestattet. Wenn es zu den Ritualen eines Andersgläubigen zählt, auf einem Turm zu stehen um ein Gebet runterzuschreien, dann dürfte es hier (zumindestens tagsüber) keinen rechtlichen Verstoss geben. Eine Ruhestörung könnten diese Andersgläubigen auch im Kirchturmgeläute zur Mittagszeit erleben... In einem Miteinander sollte Toleranz eines der wichtigsten Gebote sein. 

Natürlich sehe ich entwürdigende, frauenfeindliche Maßnahmen andersgläubiger Menschen in unserem Land auch nicht gerne, sofern dies der Grund für Kopftücher und dergleichen sei sollte. Dann aber sollte sich die katholische Kirche aber auch einen Spiegel besorgen und das eigene frauenfeindliche Verhalten in der Vergangenheit selbstkritischer betrachten. Es steht meines Wissens nicht in der Bibel, dass Frauen niedere Dienste innehaben müssten oder sogar auf dem Scheiterhaufen zu landen haben. Lediglich im Alten Testament soll das Weib dem Manne untertan sein... und mit Schmerzen Kinder gebären... 
Aber hier galt auch das Gesetz: Aug um Aug, Zahn um Zahn... und seit dem Neuen Testament sollten wir ja eher die andere Backe hinhalten... (und das nicht, weil wir sonst nur eine einseitige Rötung erreichen würden).

Wie dem auch sei, ich wollte das nur als meine persönliche Meinung loswerden. Nix für ungut.

Euer Klaus

 

 

                                                  Copyright by Klaus Heinzl  11. 02. 2010