Das Gewissen

Ein Mensch, von bangen Zweifeln voll,
ist unentschlossen, was er soll.
Ha, denkt er da in seinem Grimme:
wozu hab ich die innre Stimme?

Er lauscht gespannten Angesichts –
jedoch, er hört und hört halt nichts.
Er horcht noch inniger und fester:
nun tönt es wild wie ein Orchester.

Wo wir an sich schon handeln richtig,
macht sich die inn're Stimme wichtig.
Zu sagen uns: Du sollst nicht töten,
ist sie nicht eigentlich vonnöten.

Doch wird sie schon beim Ehebrechen  
nicht mehr so unzweideutig sprechen.
Ja, wenn es klar in uns erschölle:
Hier spricht der Himmel, hier die Hölle!

Doch leider können wir vom Bösen
das Gute gar nicht trennscharf lösen.
Ist’s die Antenne, sind’s die Röhren,
die uns verhindern, gut zu hören?
Ist’s, weil von unbekanntem Punkt
ein schwarzer Sender zwischenfunkt?

Der Mensch, umschwirrt von so viel Wellen,
beschließt, die Stimme abzustellen.
Gleichviel, ob er das Richtge tue,
hat er zum mindesten jetzt Ruhe.