Die Champagner-Wette

Samstag, d. 12.12.2015. Schon während des ausgiebigen Frühstücks freuten wir uns auf das Fußball-Bundesliga-Abendspiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach.

Wie bei allen Heimspielen unseres Clubs, trafen wir uns stets zu sechst zum Essen etwa zwei Stunden vor Spielbeginn im behaglichen, vorzüglichen Restaurant "Haus am Park", das nur unweit der "BayArena" liegt. Wir - das waren Uschi, Ruth und Ursel sowie Michael, Willi und Rainer.


Wie immer diskutierten wir dabei über das Tagesgeschehen, Wirtschaft, Mode, Autos, natürlich auch über Sport. Und schon waren wir mittendrin im Thema: Wie würde unser Bayer 04 wohl heute gegen den FC Bayern München-Bezwinger Mönchengladbach abschneiden, der den amtierenden deutschen Meister in der letzten Woche 3:1 geschlagen hatte? Fast alle von uns hatten ein ungutes Gefühl. Nur Willi nicht. "Wir gewinnen heute glatt 5:0!", meinte er.

Aus Überzeugung konnte ich das so nicht  stehen lassen und erwiderte: "Sollte das passieren, spendiere ich nach dem Spiel im Restaurant für uns eine Flasche Champagner Veuve Clicquot!" "Wetten dass ..." Willi und ich schlugen ein, obwohl keiner in Wirklichkeit daran glaubte, dass das Spiel für Bayer 04 so ausgehen könnte.

Kurz vor Spielbeginn nahmen wir im Stadion unsere Plätze ein, die in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Das 1:0 zur Halbzeit war nicht unverdient. Aber keiner von uns dachte auch nur im Traum daran, dass in der zweiten Spielhälfte von unserer Mannschaft solch ein spielerisches Feuerwerk abgebrannt werden würde, wie es dann geschah.

Bei jedem geschossenen Tor, dass sich dem 5:0 näherte, zeigte Willi einige Sitze neben mir mit seinen Fingern an, wieviel Tore noch zum Gewinn seiner Wette fehlten. Zwei Tore von Stefan Kießling und drei von Javier Hernández, genannt Chicharito, komplettierten schließlich ein großartiges 5:0 für Bayer 04. Und Willi hatte zwar gegen mich, aber für unsere kleine Gruppe die Wette gewonnen. Die musste nach dem Spiel jetzt nur noch im Restaurant eingelöst werden. 

Der Restaurant-Besitzer, um mein Portemonnaie besorgt, meinte, ein guter Crémant d'Alsace täte es doch auch. Darum jedoch hatten wir nicht gewettet! Also gab es Champagner. Der Sieg wurde in froher Runde gebührend gefeiert. Es wurde ein langer, fröhlicher Abend.

Immer, wenn wir jetzt unser Stammrestaurant aufsuchen, kommt entweder vom Chef des Restaurants oder vom Oberkellner eine schmunzelnde Frage, wann denn die nächste Wette anstünde.

Man sieht also: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!