Es menschelt in Manhattan

 

Manchmal muss man wohl erst nach New York fliegen, um Dinge zu erleben, die wir nicht vergessen werden.

Etwa fünf Stunden waren wir durch Manhattan gelaufen. Bei rund 25°C und leichtem Wind hatte uns das Pflasterlaufen am Hudson River entlang Richtung Downtown über den schönen Washington Square im Zentrum von Greenwich Village trotz vieler Pausen in Cafés und Restaurants völlig ermüdet. Wir waren einfach platt.

Um zu unserem Hotel zu gelangen, das sich in der 42. Straße in Midtown von New York befand, war es unbedingt erforderlich, vom Finanzzentrum in Downtown einen Bus, ein Taxi oder die Subway zu nehmen. Wir suchten daher nach der nächstgelegenen Abfahrtstelle.

An einem Busstopp sahen wir zwei Schwarze, die sich neben einem Bus auf dem Bürgersteig angeregt unterhielten. Der Uniform nach schienen es die Fahrer zu sein, die eine kleine Pause machten. Wir sprachen sie freundlich an und entschuldigten uns direkt für die Störung ihres Gesprächs. Und tatsächlich fuhr der Bus Richtung 42. Straße, also in die Nähe unseres Hotels, wie sie uns sagten. Unserem Englisch schienen sie zu entnehmen, dass wir keine New Yorker waren und fragten uns neugierig, woher wir denn kämen. Als wir Germany nannten, leuchteten die Augen des Einen, der - wie sich herausstellte - der Supervisor der Buslinie war.

Schnell kamen wir auf die unterschiedlichsten Themen. Sie fragten uns, wie uns New York gefiele und ob wir schon den neuen und höchsten 541 m aufragenden Turm des One World Center am "Ground Zero" besucht hätten.

Wir sprachen über das schöne Deutschland, über Köln mit seinem wundervollen Dom, die alte Bundeshauptstadt Bonn und den Drachenfels, über die Alte Oper in Frankfurt am Main, wo ein Bruder des Supervisors verheiratet war. Wir sprachen über Italien, Mailand, Florenz und Bari. Alles Orte, die er besucht hatte und gut kannte. Schließlich auch über Präsident Obama und die grandiose deutsche Kanzlerin Mrs. Angela Merkel, wie er sie wortwörtlich nannte.

Als die Abfahrzeit nahte, wollten wir die Busfahrt bezahlen. Nur da spielten beide Männer nicht mit. "Sie sind unsere Gäste und eingeladen. In der Nähe Ihres Hotels lassen wir sie hinaus." Schnell machten sie noch einige Erinnerungsfotos von uns mit Busfahrer und Vorgesetztem zur Erinnerung an eine Episode in New York.

Sie wird uns ebenso unvergesslich bleiben wie die Bustour durch Chinatown bis in die Nähe unseres Hotels. Und wir fragten uns, ob uns das auch in Deutschland hätte passieren können.

RT 2013