Anarchie wird vom Balkon verkäündet

Leute, was für ein herrlicher Sonntagmorgen!
Ich sitze auf meinem Balkon, die Vögel zwitschern, die Luft ist geradezu sommerlich warm und ich könnte ein schönes Frühlingsgedicht schreiben.
Einen Moment des Innehaltens; nippe an meinem Kaffee und denke ... Nö.
So schön war der Frühling wahrlich nicht, dass ich ihm was Nettes widmen muss.
Da hocke ich nun und versuche Musensaft auszupressen. Doch meine grauen Gehirnzellen verweigern die Mitarbeit..
Von wegen, die Muse kommt angeflogen. Das ist eine dicke Schmeißfliege, die sich über meinen letzten Bissen Honigbrötchen hermachen will...  Klatsch!! ...
Wenn es aber nun doch die Muse, ich meine so eine Art Inkarnation, war? Na dann ... ist die Welt halt wieder ärmer geworden.
Mein Sternzeichen verrät auch Leidenschaft. Aber immer wenn ich leide, schaffe ich nichts.
Da hilft auch kein Plan B oder doch? ‚B’ wie befreit schreiben, zum Beispiel.
Jaaa! Es lebe die Anarchie der Gedanken! Ich denke, dass ich sie im Wort verkünden sollte. Am besten nackt von meinem Balkon aus...
Da bemerkt mich aber keiner, der ist  zu sehr von Bäumen geschützt und schlecht einsehbar. Also Planänderung!
Ich stelle es einfach ins Netz. Das sieht fast Jeder. Schließlich schwirrt im Orbit auch der ganze Abfall gescheiterter Raumfahrtprogramme herum.
Apropos Raumfahrt: Die Russen und Amis hätten lieber die Probleme hier auf Erden lösen sollen, als auch noch das Weltall zu vermüllen.
Wozu brauche ich Wasser vom Mars, wo es doch Selters gibt? O.K. in der dritten Welt sieht man es anders.
Wenn das so weiter geht, macht sich, bei der Trockenheit dort, auch noch der Letzte aus dem Staub.
Nun weiche ich vom Thema ab - ich wollte doch eigentlich Anarchie verbreiten.
Am besten, ich stelle die ganze Sprache auf den Kopf.
Zu doof aber auch, als ich auf die Welt kam, waren alle Regeln schon erfunden. Grammatik, Metrik und überhaupt... . Vielleicht auch gut so.
Der Baum ist ein Baum und das Viech mit den zwei Hörnern und dem dicken Euter heißt Kuh. Oder doch Rind?
Jedenfalls werden Schuhe draus gemacht und  vorher produzieren die noch Käse. Jetzt weiß ich auch, warum man von Käsefüßen spricht.
Doch dann zweifle ich wieder. Hühneraugen?? Hmm? Kann mich nicht entsinnen, das man aus Hühnern jemals Schuhe gefertigt hätte?
Dabei gibt es so viele unsinnige Begriffe. Sind im Hundekuchen wirklich Hunde drin?
Oder nehmen wir das Wort Landstreicher. Ich habe noch nie gesehen, dass auch nur einer unser Land gestrichen hätte. Täte aber mancherorts wirklich Not.
Na gut, die haben wohl auch kein Geld für Farbe und Pinsel. So wie die Helenen. Griechen die den nie genug?
Zum Eulen würden die Franzosen sagen, aber die sind auch nicht mehr bündniskonform, jetzt mit einem aus Holland (e das glaub ich nicht) an der Spitze.
Haben die im eigenen Land keinen geeigneten Präsidenten gefunden? Na gut, über Einsfünfzig müsste er schon sein.
Fest steht, ich trage keinen Cent nach Athen. Nirgendwohin! 
Nein, ich versuche lieber meine eigene Sprache zu erfinden. Warum heißt das Zebra nicht Fußwegübergang?
Hätte man zumindest zwei Worte gespart: Zebra und Zebrastreifen.
„Oh, ihre Fußwegübergangsbluse sieht aber toll aus“. „Danke, ich trage sie übergangsweise“
„Und ich fliege nächstes Jahr nach Afrika, da kann man noch Fußwegübergänge in freier Wildbahn sehen. Ist das nicht herrlich?“. 
 
Schluss jetzt! Zumindest mit dem Schreiben. Schließlich warten noch zig tausend Wortbegriffe darauf, von mir neu erfunden oder umnannt zu werden.
Es lebe die Anarchie!!! Die wurde, wie wir aus Geschichtsbüchern wissen, meistens von Balkonen verkündet ... .
 
 
© U.W. 20.05. 2012